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Lothar Drat im Interview
"Arbeitgeber müssen sensibel sein und beobachten"


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Der Begriff Mobbing wird fast inflationär verwendet. Wie definieren Sie ihn?
Lothar Drat: Mobbing sind systematische, feindselige Handlungen, die über einen längeren Zeitraum passieren mit dem Ziel oder dem Effekt, den Gemobbten um sein Arbeitsverhältnis zu bringen.
 

 

Wie erkenne ich als Arbeitgeber, dass in meinem Unternehmen gemobbt wird?
Drat: Zunächst wahrscheinlich überhaupt nicht. Da aber im Laufe eines Berufslebens jeder vierte Arbeitnehmer einmal über einen längeren Zeitraum gemobbt wird, muss ich davon ausgehen, dass es auch in meinem Unternehmen Mobbing geben kann. Arbeitgeber müssen sensibel sein und beobachten. Wenn sie beispielsweise hören, dass man im Team mit einer bestimmten Person nicht mehr arbeiten will, dass diese Person als ganzer Mensch abgelehnt wird, sollten sie aufmerksam werden und nachfragen. Oder wenn ein Mitarbeiter häufig krank ist, was bei Mobbing-Opfern oft der Fall ist. Wenn ein Mitarbeiter dann direkt zu seinem Vorgesetzten geht und sagt, er würde gemobbt, sollte dieser den Vorwurf ernst nehmen und deutlich nachfragen, aber vorsichtig mit den Begrifflichkeiten sein. Er muss sich bewusst sein, dass das subjektive Empfinden des Mitarbeiters für Mobbing sprechen kann, es sich objektiv aber nicht um Mobbing handelt. Daher sollte der Begriff zunächst auch vermieden und die Dinge beim Namen genannt werden: „Ich fühle mich von den Kollegen oft falsch informiert.“ Oder: „Ich fühle mich als Opfer einer Rufmord-Kampagne“, könnten Betroffene beispielsweise sagen. Dann muss der Arbeitgeber klären, ob etwas dran ist an den Vorwürfen. Wichtig ist, zu erfassen, wer was, wie und dauerhaft getan haben soll. Hat der mutmaßliche Täter beispielsweise Gerüchte über den Gemobbten verstreut und systematisch falsche Informationen über Aufträge weitergeben? Dann muss der Arbeitgeber bewerten: War das Absicht? Oder war jemand einfach schusselig? Das ist oft schwer nachzuvollziehen und eine enorm knifflige Aufgabe.
 

 

Warum wird gemobbt?
Drat: Mobbing findet häufig in Bereichen statt, die ständigen Veränderungen unterliegen. Dort entsteht zusätzlicher Stress. In Krankenhäusern zum Beispiel kommt das bei Personalengpässen oder unter dem Druck der Krankenkassen vor. Dann steigt die Anzahl der Konflikte und so das Risiko, dass ein Teil der Konflikte eskaliert, was wiederum in der Regel die Vorstufe von Mobbing ist. Weniger gemobbt wird in Unternehmen, in denen die Arbeitsleistung sehr einfach mess- und kontrollierbar ist – ganz klassisch am Fließband zum Beispiel.e.
 

 

Was kann der Arbeitgeber tun, wenn er nach Nachfragen und Beobachten erkennt: es handelt sich tatsächlich um Mobbing?
Drat: Am einfachsten ist es in mittelständischen Unternehmen, in Baubetrieben zum Beispiel. Da reicht es manchmal, dass der Inhaber morgens auf der Baustelle erscheint und sagt: „Ich wünsche nicht, dass dies und jenes weiterhin passiert. Bei Nichtbeachtung gibt es die Gelbe Karte.“ Funktioniert das nicht, muss klar sein, was der sinnvollste nächste Schritt ist. Kann der Konflikt im Unternehmen oder nur mit Hilfe von außen geklärt werden? Braucht man Mediatoren oder Psychologen? Das hängt vom Fall und der Eskalationsstufe ab. Ein Beispiel: Ein Mitarbeiter fühlt sich systematisch von den Kollegen falsch informiert. In dem Fall sollte der Vorgesetzte im Team eine klare Ansage machen und auf mögliche Konsequenzen hinweisen: Abmahnungen oder gar Kündigungen. Er sollte sich immer als Vermittler und Ansprechpartner anbieten. Wenn das nicht hilft, sollte er externe Hilfe dazu holen. Wir empfehlen Unternehmern, den Fokus auf die Lösung des Problems zu legen, nicht darauf, wer was wann gesagt haben soll. Wie man mit dem, was vorgefallen ist, umgehen kann – das ist die Frage.

 

Wie kann Präventionsarbeit im Bereich Mobbing funktionieren?
Drat: Es ist idealistisch zu denken, dass Mobbing von vornherein ausgeschlossen werden könnte. Konflikte wird es immer geben, die werden auch immer mal entgleisen. Man sollte also Wert auf das richtige Konfliktmanagement legen. Je größer das Unternehmen ist, desto schwerer wird es, präventive Maßnahmen umzusetzen. Man kann nur an alle Mitarbeiter eines Unternehmens appellieren, das Thema ernst zu nehmen. Genauso wie Unterschätzung ist aber auch Hysterie unbedingt zu vermeiden. Wir empfehlen, im Rahmen der Prävention und Intervention einen Mitarbeiter der Arbeitgeberseite und einen der Arbeitnehmerseite in dem Thema zu schulen, die dann Ansprechpartner im Unternehmen sein können.


Was kann der Arbeitgeber noch tun?
Drat: Ein gutes Betriebsklima schaffen. Arbeitgeber müssen ihren Mitarbeitern deutlich machen, was im Unternehmen erwünscht ist und was nicht. Dieses Ideal sollten sie auch vorleben. Vorgesetzte müssen Vertrauen schaffen und ihren Mitarbeitern sagen, wohin sie sich wenden können, wenn sie sich gemobbt fühlen. Je früher ich eingreife, desto leichter ist die Arbeit.

 

Welche Schäden können für ein Unternehmen durch Mobbing entstehen?
Drat: Zunächst erleidet das Unternehmen einen Image-Schaden. Wo gemobbt wird, arbeitet niemand gern. Neurologen und Psychiater sagen außerdem, dass Mobbing-Opfer auch relativ oft erkranken, durch Mobbing also beispielsweise Depressionen entstehen. Jeder Unternehmer kann sich leicht ausrechnen, was es ihn kostet, wenn sein bester Mitarbeiter gemobbt und deswegen krank wird. Denn die meisten Menschen, die Mobbing-Opfer werden, sind Mitarbeiter, wie sie sich jeder Arbeitgeber wünscht: innovativ, leistungsorientiert, kreativ. Diese Menschen trifft oft  der Neid der anderen.

 

 

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