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Typisch für Zeiten des Werteverfalls
Aber nicht jeder Konflikt ist Mobbing
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Von

Angelika Eder

Mobbing ist heute - anders als noch vor einem Jahrzehnt - in aller Munde, und eben diese inflationäre Entwicklung hat dazu geführt, dass der Begriff vielfach missbraucht wird, so Sozialpädagoge Lothar Drat. Tatsächlich beinhalte er "einen eskalierten Konflikt, bei dem Gruppen oder Einzelpersonen einen Dritten mit dem Ziel der Ausgrenzung schikanieren". Einem solchen Prozess ist nach Aussage des Experten, der vor zwölf Jahren den unabhängigen und gemeinnützigen "Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing" (VPSM) in Wiesbaden gründete, jeder Vierte einmal in seinem Berufsleben ausgeliefert. Das sei typisch für Zeiten des Werteverfalls und der damit einhergehenden psychischen Gewalt.

Die höchste Mobbing - Quote gebe es eindeutig im öffentlichen Dienst, was er auf die gravierenden Veränderungen in diesem Bereich innerhalb der vergangenen Jahrzehnte zurückführe. In zehn Prozent der Fälle habe das beschriebene Procedere der Kollegen oder Vorgesetzten ernsthafte Erkrankungen zur Folge, so dass das Problem nicht nur zur Unterstützung Einzelner angegangen werden müsse, sondern auch aus volkswirtschaftlichen Gründen.

Das Angebot des VPSM, der sich keineswegs als Unternehmensberater verstehe, sei es, als "externe Feuerwehr" zur Konfliktlösung beizutragen. Das dafür entwickelte Notfallmodell umfasse eine Erstberatung des Hilfesuchenden, bei dem es sich sowohl um eine Firma als auch um eine Einzelperson handeln kann, die Abklärung der Positionen von Geschäftsleitung, Arbeitgebern, Frauenbeauftragten oder ähnliches sowie die anschließende Anhörung der Konfliktparteien, für die der Verein übrigens nach seinem Umzug nach Rambach insbesondere im Sommer auch ein großzügiges Freigelände bereit halte.

Dabei gebe es aber, so unterstreicht der Mobbing-Spezialist, anders als bei den oft zitierten Mediatoren-Lösungen, nur in den seltensten Fällen einen runden Tisch. Denn eben der biete wiederum Gelegenheit für Mobbing. Gelingt die Lösung nicht einem der mittlerweile 15 regionalen beziehungsweise 75 bundesweiten Mitarbeiter, darunter Psychologen, Pädagogen und Juristen, so stelle man jeder Partei einen eigenen Profi zur Seite, die notfalls gemeinsam den Konflikt stellvertretend lösen müssten. "Wir holen den Krieg bei den Beteiligten raus und verlagern ihn in unser Team."

Der Einsatz bei Arbeitsplatzkonflikten und Mobbingfällen wird nach Stundenaufwand berechnet. Unternehmen zahlen 68 Euro pro Stunde, Einzelpersonen 36 Euro. Insgesamt 13 000 Stunden stand der Verein inzwischen Betroffenen zur Seite, und das, so der Gründer selbstbewusst, mit einer Erfolgsquote von rund 90 Prozent. Erfolg heiße, dass die Lösung in jedem Fall besser sein müsse als das Ergebnis eines Gerichtsverfahrens, bei dem oft die "Drohgebärden und Hochrüstung zweier Anwälte" einer für alle Beteiligten sauberen Beilegung des Konfliktes entgegenwirkten.

Allerdings gebe es auch Anfragen, die der Verein eindeutig ablehne: Klagten früher acht von zehn Anrufern zu Recht über die Situation am Arbeitsplatz, so handele es sich heute in mindestens sechs Fällen um völlig normale Konflikte. "Nicht überall, wo Mobbing draufsteht, ist auch Mobbing drin", so Drat. Aus Sensibilität sei Hysterie geworden: Und manche verwendeten den Begriff nur, um ihrerseits zu mobben. Überdies müsse auch die Frage gestattet sein: "Was ist eigentlich, wenn der Chef gemobbt wird?"

Drat stellt klar, dass viele Konflikte am Arbeitsplatz - ebenso wie Vorfälle im Bus oder anderswo - deeskaliert werden könnten, wenn Unbeteiligte eingriffen. Ein wenig Zivilcourage würde schon reichen!

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