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VPSM–Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V.

Möglichkeiten und Erfahrungen der ambulanten 
Mobbing - Beratung

Lothar Drat, Stella Janecke, Kirsti Maron - Beratungsstelle „ Balance“ des VPSM (Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e. V.), Wiesbaden


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Der VPSM ist ein unabhängiger gemeinnütziger Verein, der sich mit Beratung, Schlichtung, Vermittlung, Mediation bei Arbeitsplatzkonflikten und Mobbing beschäftigt. 

Primäres Ziel ist die kontinuierliche Evaluation der Konzeption und Praxis seiner Beratungsstelle „ Balance“ bezüglich des vielfältigen Ursachen - und Folgenbündels von Konflikten am Arbeitsplatz und Mobbing.


1. Was ist der VPSM?

VPSM ist die Abkürzung für den Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e. V., 
dessen Sitz sich in Wiesbaden befindet. 

Der VPSM ist ein unabhängiger, gemeinnütziger Verein, der am 12.12.1995 von 12 Gründungs-mitgliedern ins Leben gerufen wurde. Der VPSM ist der Träger der Beratungsstelle „ Balance“ in Wiesbaden, deren Arbeit hier als Praxisbeispiel vorgestellt werden soll. 

Dieser unabhängige gemeinnützige Verein finanziert sich durch Beratung, Schlichtung, Vermittlung, Mediation, Fortbildungseinnahmen sowie Fördermitgliedschaften.


2. Zielformulierung

Der VPSM verfolgt die Absicht, das Thema Arbeitsplatzkonflikte bzw. Mobbing in seiner Gesamtheit zu betrachten und setzte sich deshalb bei seiner Gründung vor 8 Jahren folgende zentrale Ziele:

• Gesundheit am Arbeitsplatz zu fördern

• Konflikten am Arbeitsplatz lösungsorientiert zu begegnen

• Das Arbeitsklima vor Ort zu verbessern

• Mobbing-Prozessen präventiv zu begegnen und in entstandenen Prozessen
 die Beteiligten lösungsorientiert zu unterstützen


3. Profil der Mitarbeiter

Eine der Besonderheiten des VPSM besteht darin, dass im Rahmen der Beratungsarbeit ein Netz mehrerer Experten verschiedener Fachrichtungen zusammenarbeitet (Dipl.-Psychologen, Dipl.-Sozialpädagogen und Dipl.-Pädagogen sowie Juristen).

Darüber hinaus arbeiten die Mitarbeiter der Beratungsstelle auch in enger Kooperation
mit Fachärzten verschiedener Richtungen, wie insbesondere mit Allgemeinmedizinern, Psychiatern und Neurologen.

So ist es möglich, je nach Problematik die adäquaten Fachkräfte hinzuzuziehen,um dem Klienten eine individuelle, umfassende und lösungsorientierte Beratung gewährleisten zu können. 

So werden alle Facetten der Problemsituation beleuchtet und auch den vielfältigen Folgen im beruflichen, wie im privaten und gesundheitlichen Bereich Rechnung getragen. 

Ergänzend sei hier auch an die enge Kooperation mit stationären Einrichtungen wie z. B. auch die Berus-Klinik erwähnt. Darüber hinaus arbeitet die Beratungsstelle u. a. auch mit Entspannungsmethoden, insbesondere der Progressiven Muskelentspannung.


4. Arbeitsbereiche der Beratungsstelle

4.1 Der primäre Arbeitsbereich des VPSM besteht in der Beratung bei
4.1 Arbeitsplatz-konflikten und Mobbing:

Der Ablauf eines Beratungsprozesses wird im Allgemeinen dadurch eingeleitet, dass der Betroffene die Beratungsstelle „ Balance“ telefonisch kontaktiert. 

Wenn möglich, wird eine persönliche Beratung mit dem Klienten terminiert. Sollte dies aus Gründen der Entfernung o. a. nicht möglich sein, bietet der Verein auch eine telefonische Arbeitsplatzkonflikt- und Mobbing-Beratung an. 

Der Nachteil einer telefonischen Beratung wird von den Mitarbeitern jedoch darin gesehen, dass gegenüber der persönlichen Beratung eine Ebene der Wahrnehmung (Mimik, Gestik, Stresssymptome etc.) verloren geht. 

Im telefonischen Erstkontakt legen die Mitarbeiter der Beratungsstelle Wert darauf, dem Klienten eine schnelle Unterstützung und rasche Terminierung anbieten zu können, um dem oft hohen Leidensdruck der Betroffenen Rechnung zu tragen. In dringenden Fällen besteht
auch die Möglichkeit, in den Abendstunden oder samstags zu terminieren.

Konkret gestaltet sich eine Beratung in der Form, dass zuerst die Problemsituation
durch den Betroffenen ausführlich geschildert wird. Hierbei ist die Aufgabe des Beraters, mit gezielten Fragen den Sachverhalt zu strukturieren und die wichtigsten Punkte des Konflikts herauszuarbeiten. 

Dabei wird die Sichtweise des Betroffenen zum vorhandenen Konflikt erörtert sowie seine Wünsche und Phantasien bezüglich der Veränderung der Situation 
(Zielsetzung: Flucht/Angriff?) zum Gegenstand gemacht. Darüber hinaus wird bereits in der Erstberatung die gesundheitliche Situation des Klienten betrachtet und der Erhalt bzw.die Wiederherstellung der Gesundheit als eine der zentralen Zielsetzungen formuliert.

Hierzu gehört auch die Klärung, bei welchem Arzt/Ärzten der Betroffene in Behandlung ist, welche Diagnose gestellt und welche Medikation verordnet wurde. 

Im Rahmen der Erstberatung arbeitet die Beratungsstelle auch mit dem überarbeiteten LIPT-Fragebogen von Leymann, um alle Bereiche des Mobbing-Prozesses vorab ansprechen und abklären zu können.

Das wichtigste und zentralste Anliegen der Erstberatung ist es, eine konkrete Zielsetzung mit dem Klienten zu erarbeiten. Die Berater unterstützen den Klienten in der Formulierung seiner Zielsetzung und reflektieren die damit verbundenen Chancen und Risiken mit ihm gemeinsam. 

Die sich daraus ergebende Strategie bestimmt den „ Vertrag“ des gemeinsamen Tuns. 

Er kann je nach Situation eher Coaching- oder Supervisionselemente enthalten und wird in einen Prozess der Berufswegebegleitung münden, der den privaten Kontext adäquat mit einbezieht. In nicht wenigen Fällen müssen ggf. juristische Aspekte bei der Planung des weiteren Vorgehens bedacht werden. 

Bei Bedarf findet dann ein gemeinsamer Termin mit einem unserer Rechtsanwälte in der Beratungsstelle statt, um die Möglichkeiten und Grenzen (Vor- und Nachteile) juristischen Vorgehens zu erörtern.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Beratung des VPSM individuell gestaltet wird und der Klient den Weg vorgibt, der begangen werden soll. In diesem Zusammenhang bestimmt der Klient, wie lange er die Unterstützung des VPSM benötigt, es gibt dabei keine vorgegebene Stundenzahl oder Beratungsdauer.

Der Arbeitsplatzerhalt hat für die Arbeit des VPSM Priorität, häufig wird jedoch wichtig, dass die Möglichkeit neuer beruflicher Wege besprochen wird. 

Dies kann z. B. eine Umsetzung oder Versetzung innerhalb des Betriebes sein. Leider ist es in der Realität häufig so, dass die Konflikteskalation schon sehr fortgeschritten ist, der Betroffene und/oder der Arbeitgeber eine Trennung wünschen. 

In diesem Fall ist das Thema der Beratung eine angemessene Art der Trennung, was beinhalten kann, dass durch den VPSM die Bedingungen dieser Trennung mit dem Betrieb ausgehandelt werden (z. B. Zeugnis, Abfindung etc.). 

Kommt es tatsächlich zu einem Arbeitsplatzverlust, bieten wir dem Klienten auch eine Begleitung auf seinem weiteren Weg an, also die Aufarbeitung der Vergangenheit sowie Hilfestellung bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen, Vorstellungsgesprächen etc.

Zu Beachten ist, dass es in vielen Fällen zu einer Isolation gekommen ist, die sich auch auf den privaten Bereich ausdehnt - diese muss durchbrochen werden.

Hier spielt auch eine Partnerschaftsberatung z. T. eine wichtige Rolle, da die Partnerschaft bzw. der gesamte private Kontext nicht selten durch den Mobbing-Prozess bzw. dessen Auswirkungen erheblich belastet ist und hier sogar der Gefahr der sekundären Traumatisierung begegnet werden muss.


4.2 Partnerschaftskonflikt- und Trennungsberatung:

Je nach Wunsch des Klienten wird der Partner direkt in die Beratung einbezogen und nimmt an Beratungsgesprächen teil. 

In diesem Fall werden die in der Partnerschaft bestehenden Konflikte besprochen und auch hier nach einer sinnvollen Lösungsstrategie gesucht. So kann unter anderem dem Partner deutlich gemacht werden, woher die Krankheitsbilder des Betroffenen kommen und wie man die Beschwerden reduzieren kann bzw. den Weg zur ursprünglichen Gesundheit zurückfindet. 

Nimmt der Partner eines Betroffenen nicht direkt an der Beratung teil, wird gemeinsam mit dem Klienten eruiert, wie eine generelle Stabilisierung der Partnerschaft gefördert werden kann.

Neben der Partnerschaft ist auch das soziale Netzwerk des Betroffenen von großer Wichtigkeit und in der Beratung wird gemeinsam überlegt, wie der möglicherweise bestehenden sozialen Isolation entgegengewirkt werden kann. 

Dazu gehört unter anderem, alte Freundschaften wiederaufleben zu lassen kann und Freizeitbeschäftigungen zu beginnen bzw. wieder aufzunehmen. 

Wichtig ist grundsätzlich, dass der Klient einen Ausgleich in seiner Freizeit schafft, um ein Gegengewicht zu der belastenden Arbeitssituation herzustellen.


4.3 Oberste Priorität in unserer Arbeit besitzen Verfahren der Schlichtung/
4.3 Vermittlung/Mediation:

Wenn der Klient es wünscht, streben wir eine Schlichtung/Vermittlung/Mediation
gemeinsam mit dem Arbeitgeber an, um eine Lösung mit allen am Konflikt beteiligten
Personen zu finden. Unsere Aufgabe ist dann die Kontaktaufnahme mit dem Arbeitgeber.

Dies geschieht, wenn möglich, über Unterstützungs-Personen innerhalb des Betriebes,
wie z. B. Betriebsrat, Personalrat, Gleichstellungsbeauftragte(n) oder Frauenbeauftragte(n).

Unsere Bemühungen im Rahmen einer Schlichtung/Vermittlung/Mediation sind rein ergebnis- und lösungsorientiert, wobei das Ziel ist, eine möglichst rasche Lösung mit dem größtmöglichen Gewinn für alle Beteiligten finden. 

Sofern der Betrieb es wünscht, wird der oder den dort involvierten Personen ein Berater zur Seite gestellt, die rein für die Interessen des Betriebes bzw. der zweiten Konfliktpartei eintreten. Ein weiterer Berater steht an der Seite des Betroffenen.

Sollten mehr als zwei Parteien involviert sein, können auch weitere Berater einbezogen werden, so dass alle Interessensgruppen ausreichend gewürdigt werden.

Somit wird die Austragung des Konfliktes aus dem Kreis der Handelnden herausgehoben
und durch Berater des VPSM übernommen. Wichtig ist dabei, dass jede Partei sich gut
vertreten fühlt. Die Berater vermitteln dann zwischen den Parteien, treten für die Interessen der jeweiligen Partei ein und zielen mit lösungsorientierten Gesprächen auf eine schnelle Deeskalation des Konflikts und auf eine dauerhaft zufrieden stellende Lösung.

Zentral bei dieser Arbeit ist, dass Arbeitsgerichtsprozesse möglichst vermieden werden.


4.4 Coaching / Supervision / Berufswegebegleitung:

Die Mitarbeiter des VPSM arbeiten innerhalb der Beratung auch mit Elementen von Coaching und Supervision, bieten also den Klienten – sofern gewünscht – eine Berufswegebegleitung auch über den Konflikt hinaus an. 

Dies beinhaltet die Aufarbeitung von Konflikten und eine regelmäßige Überprüfung der derzeitigen Situation.

Mögliche Eigenanteile des Betroffenen an einem Konflikt sowie Lösungsstrategien werden erarbeitet. Mögliche Konflikte auf dem weiteren beruflichen Weg des Klienten werden so frühzeitig erkannt und eine Eskalation verhindert.

Auch dient eine regelmäßige Begleitung über einen längeren Zeitraum der Stabilisierung des Betroffenen und der Wiederherstellung des Selbstwertgefühls und persönlichen Sicherheitsgefühls.


4.5 Training / Schulung / Fortbildung

Das Angebot des VPSM beinhaltet neben der Beratung, Schlichtung, Vermittlung,
Mediation auch die Entwicklung von Maßnahmen und Konzepten zur Mobbing - Prävention.

Dazu gehören Information, Training und Schulung von Personen mit Personalverantwortung,
Führungskräften, Arbeitnehmervertretern sowie weiteren Multiplikatoren wie z. B. Frauenbeauftragten und Krankenkassen.

Bezüglich des Ursachenbündels für Konflikte am Arbeitsplatz und auch Mobbing thematisieren wir die entsprechenden Faktoren der Arbeitsbedingungen, die sich durch den betriebsklimatischen Rahmen, klare Aufgabengestaltung, offene Kommunikation, Team-Ausbildung und Ausbildung von Führungskräften (Konfliktmanagement) adäquat bestimmen.

Das intensivste Fortbildungsprogramm des VPSM ist die berufsbegleitende 2-jährige Weiterbildung zur Arbeitsplatzkonflikt- und MobbingberaterIn, die theoretische und praktische Kurseinheiten beinhaltet und die Kompetenzen zur Arbeitsplatzkonflikt- und Mobbingberatung vermittelt.


5. Zielgruppen

Unsere Angebote richten sich zunächst an Personen, die von Konflikten am Arbeitsplatz
bzw. Mobbing betroffen sind, darüber hinaus aber auch an alle, die an den Prozessen
beteiligt sind. 

Beteiligte sind natürlich Kollegen, aber auch Familie, Partner, Freunde etc.

In diesem Zusammenhang sehen wir Betroffene und Beteiligte (weniger Täter und Opfer) und aktuell immer häufiger auch den unberechtigten Vorwurf des Mobbings.

Im System von Betroffenen, Beteiligten und Mobbern (Ursachen- und Folgenbündel) suchen
wir gemeinsam mit allen Beteiligten nach raschen Lösungen, mit denen sich die Beteiligten arrangieren können.

Unternehmen/Institutionen unterstützen wir in Ihren Bemühungen einer gelebten
Firmenethik, die einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung oder Verhinderung von Mobbing sowie den Umgang mit existierenden Mobbing - Prozessen hat.

Hier bietet sich das interdisziplinäre Team der Beratungsstelle auch als externe betriebliche Sozialberatung an.

Schließlich sprechen wir auch Gewerkschaften, Krankenkassen, Betriebsräte und Personalräte mit unserem Angebot an, die wichtige Multiplikatoren in diesem Bereich darstellen und beim angemessenen Umgang mit Arbeitsplatzkonflikten eine große Rolle spielen können.


6. Fazit

Psychosoziale Beratung bei eskalierten Konflikten am Arbeitsplatz beschäftigt sich auf dem Hintergrund des komplexen psychosozialen Prozesses mit einer einzelfallorientierten Suche nach Lösungen und/oder Ansatzpunkten hierzu. 

Es gibt keine Patentrezepte. Hinter dem Begriff „Mobbing“ verstecken sich bei näherer Betrachtung nicht nur ähnliche, sondern in einzelnen Teilen auch sehr unterschiedliche Prozessdetails.

Die Palette reicht von einer normalen Entgleisung (als Folge unklarer Strukturierungen und radikal ansteigenden psychosozialen Stressoren) bis zu eindeutigen (überwiegend nicht justitiablen) strafrechtlichen Handlungen.


Danksagung

Wir bedanken uns bei unseren Förderern und allen Personen, die uns in unserer Arbeit materiell oder immateriell unterstützen.

 

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